Kleinlaster und Kleine Laster

// November 18th, 2009 // Einblicke

In der Straße meiner Eltern findet man seit neustem einen Fotografen, “Fotodesign” habe ich an einem Kleintransporter gelesen, der stets in der Einfahrt an der Ecke parkt. Na und, denkt ihr, Fotografen braucht man hier und da. Aber in einer winzigen Strasse im vorletzten Dorf? In jedem zweiten Wohnzimmer? Ich bin an dem Haus vorbeigefahren, weiter zur Autobahn und Richtung Heimat. Da fährt noch so ein Auto an mir vorbei, “Fotograf XY” in Comic Sans MS auf ein Bild auf seinen Kleintransporter gedruckt. Danach habe ich mich nicht mehr auf Kleintransporter oder Autoaufkleber konzentriert, sondern auf den Verkehr.
Seitdem das mit der Bildentwicklung keiner Dunkelkammer mehr bedarf, seitdem Digitalkameras bezahlbar geworden sind und seitdem man gesehen hat, dass die Bildbearbeitung Pickel schneller wegbekommt als Clearsil, meint offenbar jeder zweite, der eine Digikam kauft, sie durch Fotojobs finanzieren zu können, selbst wenn man eigentlich noch nie etwas mit Bildern zu tun gehabt hat. Und bei manchen funktioniert das sogar: Für 50 Euro kann man sich fotografieren lassen und erhält dann 5 pickelfreie Fotos. Der Knipser ist glücklich, die Frau fühlt sich nett-aussehend… aber ich ärgere mich. Das hat verschiedene Gründe:

  • das Preisniveau der Hobbyknipser setzt seltsame Masstäbe. Vielleicht ist man bereit, beim Profi etwas mehr zu zahlen, aber dass eine echte Beautyretusche ungefähr 50 Mal so lange dauert wie das Wegstempeln von zwei Pickeln und dementsprechend bezahlt werden möchte (selbst wenn man in Sachen Stundenlohn deutlich unter dem Hobbyknipser bleibt), stößt schon an Verständnisgrenzen. Und verdammt, ich möchte ein Bild entweder vernünftig bearbeiten oder gar nicht!
  • der Geschmack wird seltsam geprägt: Wenn ich Pech habe, möchte meine Kundin genau das, was der Fotograf an ihrer Straßenecke auch anbietet: Ein Schwarz-Weiß-Bild in leicht verwaschenen Spitzendessous, die Rose in ihrer Hand rot, Ausleuchtung frontal.
  • “Fotograf sein” – das fühlt sich irgendwie nicht mehr gut an. Man denkt an Schrankwandstudios und schmierige Typen, man denkt an die Jungs, die ohne Kamera nie eine Frau in Dessous oder gar ohne zu sehen bekämen… das kleine Laster Fotografie…

Der Besitz einer Kamera, selbst einer guten, macht einen Menschen noch nicht zum Fotografen. Sicher braucht man nicht mehr zwingend eine Fotografenausbildung, um gute Bilder zu machen, und auch kein opulent ausgestattetes Studio, aber ganz dringend braucht man eine gesunde Selbsteinschätzung anstelle eines Kleintransporters mit nichts dahinter.

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15 Responses to “Kleinlaster und Kleine Laster”

  1. Manfred sagt:

    Also ich seh das ganz anders… der Kunde bestimmt was gut ist und was diese Leistung wert ist.
    Wenn der Hobbyknipser mit 50 Euro zufrieden ist und die Kundin sich auf den Bildern gut aussehend fühlt, dann ist das halt so.
    Der Profiknipser muss da eben etwas bieten können, für das die Kundin auch entsprechend mehr bezahlt.

    Und hier liegt ein Problem.. viele der Profiknipser können oder wollen nämlich auch nicht mehr als 0-8-15-Bildchen liefern. Da frage ich mich oft ob Du nicht vielleicht den falschen Beruf haben.

    Das schmierige Typen-Klische… nun ja.. wenn Mann ne nackte Frau sehen will, dann gibts sicher deutlich einfachere und billiger Wege als zu Fotografien.

    Gruß,
    Manfred

  2. NiLi sagt:

    Endlich spricht mal jemand Klartext!!
    Als Mann ist es das einfachste, eine Kamera zu besorgen, sich Fotograf zu nennen, bei ner Modelkartei anzumelden und schon kommen die schönsten Frauen zu ihm nach Hause und ziehen sich sogar noch aus. Nichtmal seine Frau wird eifersüchtig- weil er ist ja jetzt “Fotograf” !!!#

    Fürchterlich – wieviele Models sind auf solche grässlichen Typen schon hereingefallen, liessen das Shooting über sich ergehen und konnten von den 400 Bildern kein einziges gebrauchen-
    Jedem Model kann ich nur empfehlen vor jedem Shooting Referenzen einzuholen !

    Grüessli NiLi*

  3. Maurice sagt:

    Liebe Jamari,

    verfolge nun schon längere Zeit Deine Entwicklung, sei es von der fc, modelkartei oder auch Deine Internet-Site.
    Ich kann nur sagen, dass jeder der die Möglichkeit hat sich von Dir fotografieren zu lassen diese Chance/Möglichkeit auch nutzen sollte.
    Deine Aufnahmen sind ja nicht “nur” Bilder, sondern regelrechte Kunstwerke.

    Liebe Grüße

    Maurice

  4. sayuri sagt:

    hey ihr da draußen

    dieses phänomen breitet sich doch in allen kreativen berufen aus. vielmehr würde ich mich fragen….. wie komme ich an so einen scheiß kleinlaster ran in dem sich meine arbeit befindet und damit durch deutschland touren kann. Die idee ist zweifelsohne echt genial, jedoch glaube ich das der typ da vom kleinlaster nicht lang überleben wird bei solchen preisen. es sei denn er wäre wirklich gut. lernen wir doch von diesen sogenannten amateuren und ziehen einen vorteil daraus. klar mich ärgert es auch das so viele in meinem “gelernten” designerberuf als hobbyist herkommen und meinen “king of design” zu sein, jedoch bekomme ich schon lang keine angst mehr von denen eher von den preisen die die immer mehr runter drücken. Wer was kann und das ziemlich gut der braucht erstmal keine angst zu haben von denen. denn es gibt immer kunden die anspruch an qualität stellen und kreativität. die wirtschaftskrise macht es uns gerade nicht einfacher mit den preisen, aber sicher kommen bessere zeiten. jedoch ist werbung machen in diesen zeiten wirklich unumgehbar. ich überlege schon ob man nicht plakate machen sollte und wirklich ne tour anbieten ….. wäre mal nicht dumm, oder? ;)

    lg deine sayuri

  5. ja-lee sagt:

    @ lance: ich habe überhaupt nichts gegen hobbyfotografen, ganz im gegenteil. häufig machen sie die besseren bilder, einfach, weil sie unter weit weniger erfolgsdruck stehen, unter weniger massengeschmacksdruck, mehr zeit haben, mehr investieren können. auch als model habe ich sehr gerne mit amateuren gearbeitet.
    es geht mir da mehr um einen bestimmten schlag fotograf, der sich gewaltig vermehrt und mittlerweile einen nicht unbeträchtlichen teil vom kuchen ausmacht und “verspeist”.

    @ tobi: nichts gegen kleinlaster… hätte auch gerne einen *g*. ich habe mir die journalistische freiheit herausgenommen, die beiden als aufhänger zu betrachten für ein phänomen, das mir schon länger aufgefallen ist und ich schon häufig mit kollegen diskutiert habe…

  6. Lance Boyle sagt:

    Nicht böse sein, aber wenn ich derartigen Unfug, wie in diesem Artikel lese, dann wird mir doch speiübel.
    Es gibt mit Sicherheit Hobbyfotografen, die diesem Hobby aus Spaß an der Kunst und nicht, weil sie sonst keine Frau zu Gesicht bekommen würden nachgehen. Ich finde das also schon recht überheblich…

    Auch gibt es Hobbyfotografen, die viel Geld für Seminare, Workshops und Literatur ausgeben, die bereit sind zu lernen und diese Leute sind allemal besser als der soganennte professionelle Fotograf an der Ecke mit seinen tollen Babybauch-Fotos.

    Es gibt berühmte Fotokünstler, die niemals ein Designstudium oder eine Fotografenausbildung hinter sich gebracht haben.
    Dieser Mann http://andrzejdragan.com/ ist Physiker und hat bereits so manche Hollywood-Berühmtheit vor der Linse gehabt.

    Auch gibt es Hobbyfotografen, die einen geschlagenen Tag an der Bildbearbeitung eines Fotos sitzen und nicht bloß ein paar Pickel wegmachen. Und diese können es sogar besser als die sogenannten professionellen, weil es keinerlei finanzielle Interessen gibt, es geht um den Spaß am perfekten Bild.

    Also liebe Artikel-Erstellerin, wäre es nicht besser gewesen, sich einen anderen Beruf auszuwählen, wenn es stört, dass es Leute gibt, die dies als Hobby betreiben und zweifelsohne eine Konkurrenz darstellen???
    Das weiss man, bevor man eine derartige Ausbildung macht…
    Nichts für ungut….

  7. Tobi sagt:

    Sehe ich das richtig: Dir sind zwei Kleinlaster begegnet, auf denen zufällig was von ‘Fotodesign’ stand, und deshalb holst du jetzt zum Rundumschlag aus?

    Meinst du nicht, dass das etwas übertrieben ist? Hast du überhaupt schon Bilder der Kleinlasterfahrer gesehen?

    Tobi

  8. Lance sagt:

    Nicht böse sein, aber wenn ich derartigen Unfug, wie in diesem Artikel lese, dann wird mir doch speiübel.
    Es gibt mit Sicherheit Hobbyfotografen, die diesem Hobby aus Spaß an der Kunst und nicht, weil sie sonst keine Frau zu Gesicht bekommen würden nachgehen. Ich finde das also schon recht überheblich…

    Auch gibt es Hobbyfotografen, die viel Geld für Seminare, Workshops und Literatur ausgeben, die bereit sind zu lernen und diese Leute sind allemal besser als der soganennte professionelle Fotograf an der Ecke mit seinen tollen Babybauch-Fotos.

    Es gibt berühmte Fotokünstler, die niemals ein Designstudium oder eine Fotografenausbildung hinter sich gebracht haben.
    Dieser Mann http://andrzejdragan.com/ ist Physiker und hat bereits so manche Hollywood-Berühmtheit vor der Linse gehabt.

    Auch gibt es Hobbyfotografen, die einen geschlagenen Tag an der Bildbearbeitung eines Fotos sitzen und nicht bloß ein paar Pickel wegmachen. Und diese können es sogar besser als die sogenannten professionellen, weil es keinerlei finanzielle Interessen gibt, es geht um den Spaß am perfekten Bild.

    Also liebe Artikel-Erstellerin, wäre es nicht besser gewesen, sich einen anderen Beruf auszuwählen, wenn es stört, dass es Leute gibt, die dies als Hobby betreiben und zweifelsohne eine Konkurrenz darstellen???
    Das weiss man, bevor man eine derartige Ausbildung macht…
    Nichts für ungut….

  9. saschko Bach sagt:

    Ich würde mich davon nicht frusten lassen. Seh es als weiteren Ansporn und Herausforderung. Du kannst Fotos liefern die der andere nicht liefern kann. Nehmen wir einen Delikatessen Laden und einen Supermarkt, da haben die Kunden auch unterschiedliche Ansprüche. Wer was außergewöghnliches haben will, soll auch außergewöhnliche Preise bezahlen. So ist das nun mal. Qualität hat immer seinen Preis. “konkurrenz belebt das Geschäft” und nur dadurch ist man messbar. Wenn die Leute billig kaufen wollen sollen sie es machen, aber das sind auch nicht Deine Kunden, da sie entweder keine Ansprüche haben oder einen Mercedes zum Preis eines Golfs haben wollen, und die solltest Du dan schon mal direkt zu dem Anderen schicken. Geh Deinen Weg weiter und konzentriere Dich auf Dich.

    lg

    saschko

  10. Rene sagt:

    Wie wahr. Ich kann den Artikel sehr gut nachempfinden. Fotografie betreibe ich Hobby mäßig, hab aber wenn ich es kommerziell betreiben würde auch einen derartigen Anspruch an mich dem Kunden etwas gutes zu liefern und nicht was manche dann bringen.
    Ich bin beruflich in der Branche der Web Entwicklung tätig und da ist das ganze noch schlimmer leider…. Wie ihr schon sagt, zum Teil machen Leute komplette Webseiten für 100 €.
    Der Kunde sieht auf den ersten Blick höchstens am Design das es sich um etwas nicht professionelles handelt.
    Viel schlimmer sehen aber zum Teil noch der Quellcode aus.
    Aber da werden wir wohl nichts machen können.

  11. ja-lee sagt:

    @ calvin: bisher ist es mir auch geglückt, kundinnen einigermassen abzubringen von manchen ideen. aber das braucht überzeugungskunst und im zweifelsfall entgeht mir das shooting. noch bin ich aber auch gerade auf privatkunden finanziell angewiesen…
    vlg! j

  12. Calvin sagt:

    Ich kann so einen Frust nicht verstehen.
    Wenn einer deiner Kunden das gleiche will wie das was der Fotograf um die Ecke auch machen kann, dann bist du auf einem Level wo du nicht hingehörst.
    Und du solltest solche Kunden auch ganz schnell zu diesem Fotografen schicken und diese Jobs nicht selbst machen.
    Sonst bekommst du immer mehr solche Kunden und kommst nicht mehr dazu die “interessanten” Dinge zu machen.
    Du glaubst nicht wie schnell du in einer Schublade bist wo du nicht mehr rauskommst.
    Also lass diese standartsachen und konzentrier dich auf Sachen die “solche” Fotografen eh nicht machen können.

    lg Calvin

  13. Oh Gott,

    das ging runter wie Öl. Ich bin kein Fotograf und hege auch nicht diesen Anspruch, es ist einfach ein wunderschönes Hobby für mich. Ich lerne gerne dazu und hoffe dadurch irgendwann einmal bessere Bilder zu machen. Es deshalb aber kommerziel zu machen? Niemals. Aber ich bin da völlig der selben Meinung. In Zeiten von Homepagebaukästen, Frontpage und Co. ist jeder zweite der Meinung sich Webdesigner zu schimpfen und schau ich mir dann manche Seiten an *hust*. Dazu kommen die von dir angesprochenen Preisvorstellungen über denen ich “komischerweise” immer drüber liege. Ach ja, gute Webseiten kosten ja Geld.

    Die gute alte Selbsteinschätzung.

    gruß
    martin

  14. Len sagt:

    “man denkt an die Jungs, die ohne Kamera nie eine Frau in Dessous oder gar ohne zu sehen bekämen”

    haha da muss ich direkt an modelkartei denken

  15. ich sagt:

    Das ist beim Webdesign genauso.
    Für eine Homepage möchte auch keiner mehr Geld ausgeben, denn es gibt genug 14-Jährige die der Meinung sind sie können HTML “Programmieren” und dann für 50€ eine Homepage erstellen.
    Da wird man schon traurig :(

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