80 Euro-Shootings!
// März 29th, 2010 // 8 Comments » // Einblicke
Die Jamari fotografiert für 80 Euro, mit etwas Handeln auch für 50 oder 40… dafür gibt’s natürlich drei Sets, Outfits werden gestellt, Visa selbstverständlich auch, 10 bearbeitete Bilder, nach Möglichkeit Montagen und alle Rohdateien, sowie alle Rechte an den Bildern. Die Outfits dürfen die Modelle nach dem Shooting mitnehmen, z.B. ein Sambakostüm oder ein Orientalisches Tanzkostüm, vielleicht auch ein Abendkleid oder einen Latexanzug inkl. Pflegespray. Das Model sollte nach Möglichkeit erscheinen, wenn nicht, finden wir sicher einen Ersatztermin. Nächstes Jahr im Winter? Kein Problem, ich warte!
Ja, ich gebe zu, vor 1 Jahr gabe es noch die Zeit, in der ich 80 Euro-Shootings angeboten habe. Der Hintergrund war, dass ich erst einmal lernen wollte und noch nicht so viele Setelemente besessen habe. Das Model konnte sich damals für 10 Euro je Outfit etwas von meinen Sachen ausleihen, die zwischen 100 und 500 Euro gekostet haben. Ich habe versucht, möglichst variationsreich zu fotografieren, damals noch mit etwas bescheidenerer Ausrüstung.
Mittlerweile mache ich es anders: Ich biete ich ein paar Themen an, die ich ziemlich “Nummer-Sicher-mässig” in meinem Studio oder Studioset fotografieren kann. Outfits gibt es kostenlos geliehen, da damals immer wieder Modelle die 10 Euro Leihe sparen wollten und ich mich mit grauenvollen Takko-Mode-Markt-Alternativen der Modelle konfrontiert sah oder dann nun einmal ein schwarzes Outfit in einem sanften, rosa Set fotografieren musste. Das ganze gibt es für 250 Euro. Und ich kann nichts dafür, wenn das Model leider am anderen Ende der Welt wohnt und 900 Euro Flug bezahlen muss, oder wenn sie zufällig in der Nachbarschaft lebt und zu Fuß anreisen kann.
In der letzten Woche gab es plötzlich 4 Modelle, die sich daran erinnert haben, dass ich irgendwann einmal für 80 Euro geshootet habe – und beschweren sich jetzt, dass die Preise plötzlich anders sind. Ich empfehle BWL-Grundvorlesung I. Wahrscheinlich reicht sogar die Mittelstufe Sozialwissenschaft: Angebot bestimmt Nachfrage. Und Interesse bestimmt Angebot: Allein mein Boudoirset besteht aus Requisiten im Wert von über 1000 Euro. 1-2 Mal fotografiert habe ich genug Bilder davon. Das heisst, es wird finanziert über weitere Shootings, an denen ich weniger Eigeninteresse habe, dafür mehr Routine. Damit es nicht zu langweilig ist, kaufe ich ständig neue Einzelelemente, Requisitlein, Hintergründe etc. dazu. Also auch von den 250 Euro wird wieder investiert. Und nicht von 80 Euro, denn ich bin ja nicht die Wohlfahrt für “ich bin mittellose Studentin und hätte total gerne Fotos von mir, schöne Fotos natürlich, am liebsten Beauty in einem schloßartigen Set”.
Und wie kommt es, dass sich die Preise plötzlich geändert haben? Das kann passieren. Vor 100 Jahren hat man Brot für ein paar Pfennige bekommen – zu Inflationszeiten zu ein paar tausend Mark. Ein Azubi bekommt nicht so viel Gehalt, wenn er aber seinen eigenen Laden eröffnet, hat er mehr Ausgaben und braucht mehr Einnahmen. Wer studiert, zahlt dafür noch, wenn er fertig ist, kann er von heute auf morgen ein gutes Gehalt verdienen. Wenn ich ein bestimmtes Bild haben möchte, dringend, mache ich das kostenlos, habe ich es, besteht von meiner Seite kein Bedarf mehr und es wird kosten. Und ja, es gibt ja noch die Möglichkeit für TFP, bei sehr cooler Location und Bereitschaft zu Akt/Teilakt, denn bei neuen Locations lerne ich immer wieder Neues und habe die Chance, auf neuartige Fotos, und Teilakt/Akt habe ich noch nicht so viel im Portfolio. Und wenn die mittellose Studentin das Schloß und die entsprechenden Kostüme organisiert, kann man auch drüber reden …
Sorry, für diesen Frust-Post – aber neben gehäuftem technischen Ärger mit meiner Sony-Ausrüstung, habe ich diesen Woche über 2500 Euro in Ausrüstung und Requisiten investiert und wenn dann zum x-ten Mal irgendwer meint, ich müsste doch zu Preisen von sonstwann meine Leistung anbieten, platzt einem irgendwann der Kragen…

Ich habe mich noch gar nicht zurückgemeldet: Also ich bin wieder im Lande. Interessant war’s auf Fuerteventura, wo ich für die ZDF-Frühlingsshow ein paar Worte zum Thema
“Urlaubsfotografie” sagen sollte. Und das vor wundervoller Kulisse, ein traumhaftes Hotel, tolles Essen, viele Stars & Sternchen und ein super sympathisches und engagiertes Team. Jetzt habe ich lauter Sommerhits als Ohrwürmer, die dort präsentiert wurden und den Geschmack frischer Melonen…


Während meine Bilder zuvor eher bunt waren, merke ich bei der Durchsicht meiner neusten Exemplare (von den Pin-Ups vielleicht abgesehen): alles blau. Und nicht nur wegen Karneval… Offenbar bin ich in einer blauen Periode. Damit bin ich in guter Gesellschaft, Picasso hat so eine auch erfolgreich hinter sich gebracht.





